Eine Bericht von Christiane.

damals noch Christian, diese Geschichte schildert was ich Mit Rumänien zu tun habe und wie ich zu Familie gekommen bin.

Eine Geschichte in 13 Kapitel

unser Anwesen in Rumänien

Kapitel 1: Die Fahrt beginnt

Ostern 1995:

Markus und ich auf dem Weg nach Weiskirchen. Im Auto haben wir einen großen Koffer mit Video, Geräte, Kameras und halt alles was benötigt wird, um Aufnahmen zu machen.

Vor ein paar Wochen sind wir gefragt worden, ob wir nicht Lust und die Zeit hätten, ein paar Videoaufnahmen zu machen. Warum nicht, schließlich war ja das Filmen unser Hobby und so sagten wir zu. Die Videoaufnahmen sollten in Rumänien stattfinden, um die Aktionen der „Vergissmeinnicht Gruppe Konfeld“ zu filmen.

Endlich in Weiskirchen angekommen, haben wir alles in einen großen Reisebus umgeladen. Als alle da waren, ging es los. Von Weiskirchen auf die Autobahn in Richtung Passau, durch Österreich und Ungarn. Endlos erscheinende Stunden vergingen. Endlich die rumänische Grenze, wir kamen der Grenze immer näher, Erleichterung ging durch uns.

Endlich sollte die Fahrt ihren Ende zugehen. Doch an der Grenze staute sich eine kilometerlange LKW-Schlange, ich glaubte, die war über 20 Kilometer lang. Es schien als würde es kein Ende mehr geben. Unser Busfahrer, der ein Rumäne, war kannte sich gut aus und umfuhr den Stau und brachte uns vor die Schlange und durch die erste Kontrolle durch. Ungarn hatten wir nun verlassen und waren nun zwischen Ungarn und Rumänien.

Wir sahen die rumänischen Grenzhäuser schon aber bis wir diese passiert hatten, vergingen noch Stunden, denn hier wurden in einer Stunde nur 4 Autos und ein Bus durchgelassen. Wir kamen uns vor, als würden wir in ein Kriegsgebiet fahren. Überall liefen Soldaten mit Maschinen Pistolen und Gewehren herum.

Ekerhard, der Probleme mit seinen Ohren hatte und nicht so gut hört, lief auf der Straße. Er Einer der Soldaten rief ihn an, er solle stehen bleiben, aber Ekerhard hörte ihn nicht und lief weiter. Der Soldat wurde sauer und schrie ihm hinterher, Aber auch das hörte er nicht. Nun nahm der Soldat sein Gewehr von der Schulter und uns blieb fast das Herz stehen. Doch, Gottseidank, Ekerhard bemerkte etwas und drehte sich um, schaute ganz verblüfft in den Lauf des Gewehres.

Er wurde kontrolliert, sein Ausweis genau überprüft und dabei noch ein wenig herumgemeckert. Wir versuchten dem Soldaten zu erklären, warum Eckerhart nicht reagiert hatte und gaben dem Soldaten ein Pack Zigaretten. Dieser war nun zufrieden und ließ uns in Ruhe.

Es dauerte 4 – 5 Stunden bis wir endlich auch durch die rumänische Grenzanlagen waren. Inzwischen schon dunkel geworden, ging es auf Landstraße, weiter bis nach Arad. Auf der anderen Flußseite wieder zurück in Richtung Temesvar nach Periam.

Kapitel 2: Endlich In Periam

Periam ist die Stadt, eigentlich mehr ein Ort, in der die „Vergissmeinnicht Gruppe“ schon Zeit ein paar Jahren Hilfsgüter hinbringt und den Bürger hilft. Die Gruppe hat sich diesen Ort zum Partnerort ausgewählt, um diesen zu helfen. Diesmal hatten wir keine Hilfsgüter dabei, nein, diesmal brachten wir uns selbst mit.

Die „Vergissmeinnicht Gruppe“ ist ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, anderen Menschen zu helfen. Frau Waltraud Koch, die erste Vorsitzende und auch Gründerin des Vereins, ist schon seit 25 Jahren aktiv. Der Verein finanziert sich aus Spenden und aus dem Erlös von Veranstaltungen, die sie selbst organisiert. So singen Waltraud und ihre Schwester. Eine Tanzgruppe haben sie auch. Mit nach Periam sind auch viele andere Künstler gekommen, die zu der „Vergissmeinnicht Gruppe“ stehen und auch helfen wollen.

Nun geht der Aufbau im „Kamin“ los. Der „Kamin“ ist ein großer Veranstaltungsraum. Markus und ich bauten Scheinwerfer und Kameras, Willy die Tontechnik auf. Bis zu Abend musste ja alles fertig sein. Endlich geschafft, Waltraud kam zu mir und sagte: „Komm mit Deiner Kamera mit. Wir wollen ein paar Besuche machen. So nehme ich meine Kamera und los geht es.

Zuerst zu einer Familie, von denen bei Andrea, die Tochter von Waltraud, ein Kind lebt. Die Begrüßung ist rührselig, innerhalb ein paar Minuten ist der Vater auch dazu gekommen und die Freudentränen flossen. Danach ging es ein paar Häuser weiter

Kapitel 3: Erste Begegnung

Wir blieben vor einen alten Bretterzaun stehen und rufen jemand. Eine Frau mit schulterlangen, dunkelbraunen Haaren öffnet uns das Tor und begrüßt uns. Wir gingen auf das Gelände. Es ist bedrückend! Die Armut sah man überall. Das Haus hatte schon Jahre lang keinen Anstrich mehr gesehen, der Zaun sah aus, als würde er jeden Moment auseinander brechen. Wir gehen ins Haus. 6 oder 7 Hunde bellten uns an. Im Haus sitzt eine ältere Frau, die Waltraud begrüßte. Sie spricht ganz klares Deutsch. Sie erzählt von Hansi, wie schlimm er ist und er hätte sie geschlagen. Nun fing sie an zu weinen, Waltraud beruhigte sie und gab ihr ein paar Kleidungstücke „Die sind für Dich“ sagte Waltraud. Ich schaute mich im Raum um. Alles ist alt und vergammelt. Ein Fernseher steht auf einem Tisch, der aber ging nicht mehr. Tante Juzie, so nennt Waltraud die alte Frau, hatte alte Stoffturnschuhe an. Die Armut ist sehr bedrückend. Die Frau, die uns die Tür geöffnet hatte, heißt Juliana. Aber alle rufen sie Jana, fragt: „Wie geht es Deli?“ Im Gespräch bekomme ich mit, dass Deli ihre Tochter ist, die nun seit einem halben Jahr in Deutschland bei einer Pflegefamilie lebt. „Es geht ihr gut.“ wird gesagt. Warum sie so wenig schreibt, wird gefragt.

Dass Deli erst 8 Jahre alt ist, bekomme ich auch mit. Nach einer Weile ging es weiter, Juliana begleitet uns noch an die Tür. Wir verabschiedeten uns und gingen weiter.

Die Tage vergingen wie im Flug, jeden Tag eine Veranstaltung in einen anderen Ort. Unsere letzte Veranstaltung fand in Temesvar in einem Deutschen Altenheim statt, das von der BRD finanziert wurde. Nachdem wir alles aufgebaut hatten, wurden wir im Altenheim herumgeführt. Wir glaubten nicht, was wir da sahen. Solch ein tolles, gepflegtes Altenheim hatte ich in Deutschland bis dahin noch nicht gesehen. Wir bekamen zwei alte Damen in ihren Zimmer „vorgeführt“. Diese erzählten uns, wie toll es hier sei.

Nach dieser Veranstaltung geht es zurück. Alles wurde in den Bus verstaut und es ging los Richtung Heimat. Nach endlos erscheinenden 22 Stunden wieder in Deutschland. Und nach weiteren 6 Stunden sind wir endlich in Weiskirchen angekommen.

Kapitel 4: der Hilfstransport

Ein Monat nach dem wir Zuhause angekommen waren, rief Waltraud mich an, ob ich Interesse hätte, einen Hilfstransport zu begleiten. „Warum nicht“, dachte ich und sagte zu. Nach ein paar Tagen besprachen wir, zuhause bei Waltraud alles, wie es laufen sollte.

Bei Waltraud lief ein kleines Mädchen herum, das jeden fragte, ob sie nicht ihr neuer Papa oder Mama werden könnte. Ich fragte Waltraud, wer die kleine sei und bekam die Geschichte von der kleinen Deli erzählt.

Deli war vor einem halben Jahr, bei einer deutschen Familie zu einem Ferienaufenthalt gewesen. Diese Familie wollte sie als Pflegekind behalten, was auch erst klappte. Doch jetzt, so wurde es erzählt, sei die Frau krank und deshalb müsste die Kleine wieder zurück nach Rumänien und ich sollte sie mitnehmen.

Samstags ging’s los, ich fuhr nach Weiskirchen. Waltraud, Willy der auch als Fahrer mitfuhr und die kleine Deli stiegen in mein Auto, dann ging es los. Mir tat die Kleine leid. „Ich würde ihr gerne helfen“, ging mir durch den Kopf, aber wie!

An der österreichischen Grenze angekommen, wurden wir kontrolliert und als der Zöllner den Ausweis der Kleinen zum Kontrollieren gab, meine er, dass wir ein Visum für das rumänische Kind brauchen würden und die Kleine nicht durch Österreich ohne dieses Visums durchfahren dürfte. Das bedeutete, dass wir abgewiesen wurden. Er drückte einen Stempel in den Ausweis. ABGEWIESEN , So hatten wir keine Möglichkeit, es an einer andern Grenze es zu versuchen. Ich aber fuhr ein Stück zurück und nahm die Landkarte, suchte eine kleinen Grenzübergang und fuhr los. Wir suchten über eine Stunde bis wir den Übergang gefunden hatten, es regnete in Strömen, so dass ich nur im Schritttempo fahren konnte. So kamen wir genau um 23.55 an dem Grenzübergang an.

Der Zöllner hatte schon den Schlagbaum nach unten gemacht und wollte Feierabend machen, als wir ankamen. Er kontrollierte meinen Ausweis, den von Waltraud und dann den von Willy, nun verlangte er den Ausweis der Kleinen. Ich hatte absichtlich den Ausweis nicht herausgegeben und behauptet ich würde ihn nicht finden. Ich machte so als würde ich suchen. Der Zöllner fragt mich, ob es mein Kind sei. Ich bejahte es. Er drehte sich zu der Kleinen um und fragte sie: „Ist das dein Vater“ uns blieb fast das Herz stehen. Das Blut stockte mir in den Adern. „Was wird sie wohl antworten?“, ging mir durch den Kopf. Wenn sie nun „nein“ sagt, was passiert dann? Es war Betrug. Illegale Einwanderung war es. Hoffend schaute ich Deli an. Sie sagte, als wäre es selbstverständlich: „JA, das ist mein Papa“. Der Zöllner schaute mich an und meinte: „Also gut, aber sie müssen den Ausweis finden, sonst kommen sie in Ungarn nicht rein.“ Ich sagte: „Ja, der liegt bestimmt unter dem Fahrersitz.“ Er machte den Schlagbaum auf und winkte uns durch. Wir konnten fahren. Nach 5 Minuten musste ich rechts ranfahren und mich erst mal beruhigen, denn ich glaubte, mein Herz würde mir aus der Brust springen. Danach war alles gut. Uns ist ein Stein vom Herzen.

Gefallen. Deli kam zu mir und nahm mich an der Hand sie meinte „Bist du jetzt mein Papa??“ Wir lachten darüber, aber Deli war nicht zum Lachen zu mute. Sie meine es bitter ernst.

Den ganzen Rest der Fahrt sprach sie davon, dass sie wieder zurück nach Deutschland möchte. Sie wollte nicht nach Rumänien zurück. Mir ging der Gedanke, dass ich ihr helfen musste, nicht aus dem Kopf. Ich wollte ihr helfen. Aber wie? Ich war alleine mit meinem Vater zusammen in einer Wohnung. Ich könnte sie nicht zu mir nehmen. Wer sollte auf sie aufpassen? Meine Schwester, Katja, hat drei Jungs im Alter von 11, 3 und 1 Jahr. Sie wünschte sich immer ein Mädchen. Vielleicht würde sie die Kleine nehmen, hoffte ich.

In Rumänien angekommen, fuhren wir direkt zu Delis Familie. Ihre Mutter war nicht zuhause, nur Ihre Oma war da. Sie nahm die Kleine in die Arme. Deli weinte unaufhörlich. Sie konnte kaum sprechen. Wir erklärten der Oma was, los gewesen war und warum wir sie nach Hause gebracht hatten. Ein wenig später kam ihre Mutter nach Hause und sie begrüßte ihre Tochter mit Tränen. Wir verabschiedeten uns nach einer Weile und ich versprach der kleinen Deli, dass ich zu ihr komme werde.

Später ging ich wieder zu ihnen, Deli hatte sich versteckt und sie wollte kein Wort rumänisch sprechen. „Sie weigerte sich“, erzählte ihre Oma mir. Ich erzählte ihr, dass ich es versuchen werde, eine Familie für Deli zu finden und sie wieder nach Deutschland nehmen werde. Sie und Delis Mama, Juliana, waren damit einverstanden.

Ein paar Tage später kam der Hilfstransport an. Wir mussten ihn an der Grenze entgegen gehen. Ich lief auf der ungarischen Seite an dem LKW-Stau entlang und suchte den Hilfstransport. Ich glaube, ich musste 15 KM laufen, bis ich ihn endlich fand. Eine endlos erscheinende Schlange aus LKWs stand vor der Grenze und die Abfertigung war 4 bis 5 LKW pro Stunde. Ich versuchte an der Grenze die Erlaubnis zu bekommen, an der LKW-Schlange vorbei zu fahren. Eigentlich hatten wir die schriftlichen Papiere, die es uns erlaubten. Aber der Zöllner schrie mich an und warf mir die Papiere vor die Füße. Es waren amtliche Papiere von der ungarischen Botschaft in Deutschland. Er schrie mich an, er sei hier der Chef und nicht der Botschafter. Der hätte hier nichts zu melden. Ich gab es auf. Inzwischen war es schon dunkel und ich musste dem Fahrer noch die Papiere zurückbringen, Ich glaube, ich bin noch nie zuvor solch viele Kilometer gelaufen. Mir schmerzten die Füße, ich konnte einfach nicht mehr. Waltraud und Willy warteten an der Grenze bis ich zurückkam. Ich wollte es nicht glauben, dass es keinen Weg gab, diesen verborten Zöllner umzustimmen. Aber ich musste aufgeben also stiegen wir in mein Auto und fuhren zurück nach Periam.

Am nächsten Morgen standen wir ganz früh auf und fuhren wieder an die Grenze. Ich lief wieder dem Lkw entgegen. Inzwischen war er schon ein ganzes Stück nach vorne gerückt. Es waren wohl jetzt nur noch 5 Kilometer, die ich laufen musste. Aber die lief ich mit links. Ich holte die Papiere, ging zurück an den ungarischen Zoll. Inzwischen hatten diese Schichtwechsel gehabt und eine neue Mannschaft war nun da. Ich zeigte dem Zöllner die Papiere und fragte ihn, ob wir an der Schlange vorbeifahren dürften. Er schaute sich die Papiere an und meinte: „Kein Problem, da steht doch, dass sie vorbei dürfen.“ Ich glaubte nicht, was ich da hörte, Ganz genau das Gegenteil, was am Tag zuvor gesagt wurde. Ich lief zum LKW und brachte die frohe Nachricht, ich stieg in den LKW und wir fuhren an den anderen LKWs vorbei. Die Fahrer von den andern LKWs waren ganz schön sauer. Sie stellten sich uns in den Weg, aber ich sagte dem Fahrer einfach langsam weiter zu fahren. „Die gehen alleine zur Seite“, so war es auch. Eine Polizeistreife winkte uns weiter, so konnten wir einfach bis zu Grenze fahren. Endlich an der Grenze angekommen, standen wir nun da, keiner beachtet uns. Es ging nicht weiter. Ein Zöllner kam zu mir und zeigte unauffällig mit der Hand das Zeichen für Geld. Er rieb den Daumen auf dem Mittel- und Zeigefinger. Das war unmissverständlich, sie wollten Schmiergeld. Ich nahm unauffällig einen Hunderter aus meinem Geldbeutel und gab es dem Zöllner, der unsere Papiere hatte. Danach ging es innerhalb von 5 Minuten weiter. Unsere Papiere bekam ich in die Hand gedrückt und wir durften durch fahren. Am rumänischen Zoll ging dasselbe Spiel los. Auch die ließen uns nicht weiter, bis ich denen Schmiergeld bezahlt hatte. Aber endlich ging es nun weiter. Wir hatten schon Mittag und wir hatten noch eine Stunde Fahrt vor uns. Der LKW musste nach Temesvar zum Zollamt. Der Inhalt musste überprüft werden, ob er mit der Ladeliste übereinstimmt und mit einem amtlichen deutschen Dokument, einem Hunderter, stimmte die Ladung mit der Liste ohne die Ladung gesehen zu haben, überein. Erleichtert ging es dann auf den Weg nach Periam.

Wir fuhren auf eine Pfirsich-Plantage. Dort war eine große Lagerhalle und wir konnten dort ausladen. Alles ging eigentlich ganz schnell. Es waren jede Menge Helfer da, die alles schnell ausluden. Ich hatte ja auch diesmal meine Kamera dabei und filmte ein wenig, bis ich bemerkte, dass laufend jemand unter dem Lkw heraus kam und mit einem Sack weg lief. Ich beobachte es genau und stellte fest, dass unter dem Lkw ein paar Männer sich versteckt hatten und immer wenn die oben einen Sack herunter geworfen hatten, schoben sie die Säcke unter den Lkw. Und die unter den Lkw gaben sie noch hinten durch, in diesem Moment kam der Bürgermeister, der mit uns zu diesem Zeitpunkt befreundet war. Ich erzählte ihm, was ich beobachtet hatte und der handelte sofort. So schnell hatte ich zuvor noch keinen weglaufen sehen, wie die unter dem Lkw. Waltraud beruhigte die Gemüter. Sie meinte: „Ist doch nicht so schlimm. Es bekommen ja doch die Armen. Die gestohlen hatten, sind auch Arm und benötigen die Sachen auch.“ Ob sie wohl damit Recht hatte? Ich suchte die Kisten auf denen Adressen standen. Diese waren von Leuten gepackt worden, die ein Jahr zuvor Gast-eltern für Kinder aus Periam gewesen waren. Ich verteilte die Pakete an die entsprechenden Leute. Auch für Delis Mama und Oma waren Pakete dabei, die ich hinbrachte.

Zum Abschluss wurden wir zu einem Festschmaus eingeladen. Es war nicht viel oder was Besonderes. Alleine der Gedanke, gedankt zu bekommen, hatte gereicht die ganzen Strapazen auf sich zu nehmen. Den Stress an der Grenze, der lange Weg, es waren immerhin über 16 Hundert Kilometer zu fahren. Aber die lachenden Gesichter der Kinder, denen wir Kleidung und Spielsachen gaben, entlohnten uns dafür!

Anruf beim Ausländeramt

Ich wollte der kleinen Deli unbedingt helfen und überlegte, was ich tun konnte. Ich versuchte über mein Handy in Saarbrücken das Ausländeramt zu erreichen. Aber das brachte nicht viel. Ich versprach ihr, dass ich sie bei der nächsten Ferienaktion auf jeden Fall nach Saarbrücken holen werde.

Am Abend ging es wieder nach Hause. Ich verabschiedete mich von allen. Die kleine Deli stand in den armen ihrer Oma und weinte. Sie fragte mich, ob ich wirklich wieder kommen würde. Ich versprach es ihr und dann fuhren wir los. Die Fahrt verging eigentlich ohne weitere Probleme und nach 20 Stunden waren wir wieder im Saarland.

Zuhause sprach ich mit meiner Schwester Katja und erzählte ihr von der kleinen Deli. Sie war eigentlich ganz begeistert von dem Gedanken ein Mädchen anzunehmen, aber leider war ihr Mann dagegen. Er wollte kein fremdes Kind haben, so überlegte ich was ich tun kann. Ich entschloss ich mich, da ich der Kleinen versprochen hatte, sie nach Deutschland zu mir nach Hause zu holen. Ich stellte mein Schlafzimmer in mein Büro und richtete in meinem Schlafzimmer ein Kinderzimmer ein.

Im Juni ging es los, Peter (einer meiner besten Freunde) fuhr mit mir in meinen Passat nach Rumänien. Wir brauchten 16 Stunden bis wir an der Grenze waren. Das war ganz schön schnell gewesen und kostete mich 200 DM Schmiergeld an einen ungarischen Polizisten. Sonst wären mein Führerschein und meine Autopapiere weg gewesen. Glück gehabt.

Als wir dann endlich in Periam ankamen, wurden wir bei den Eltern der kleinen Dana, ein rumänisches Mädchen, das bei Waltraud lebte, untergebracht. Wir gingen gleich zu dem Elternhaus der kleinen Deli und wurden von Delis Mutter und Großmutter herzlich begrüßt. Deli war überglücklich mich wieder zu sehen und fragte mich mit Freudentränen in den Augen, ob ich sie mit nach Hause nehmen werde. Ich sagte „JA“ zu ihr und sie fiel mir in die Arme und weinte vor Freude.

Peter und ich hatten die Aufgabe die Organisation für die Kinder, die nach Deutschland zum Ferienaufenthalt kommen sollten, durchzuführen. Wir mussten bei den Eltern Pässe abholen und Erklärungen der Eltern beim Notar machen lassen, dass die Kinder nach Deutschland durften. Auch noch Pässe auf dem Passamt holen gehen. Zur Seite stand uns der Bürgermeister von Periam, Herr Klein.

Delis Mama lud uns zum Essen ein. Wir konnten und wollten nicht nein sagen. So aßen wir erst bei der Mama von Dana und danach gingen wir zu Juliana essen, wo es uns auch besser schmeckte.

Am frühen Morgen standen wir auf, da hatte Danas Mama uns das Frühstück schon fertig hingestellt. Ein paar Scheiben Brot waren abgeschnitten, ein paar gebratene Eier lagen auf dem Teller, leider eiskalt von Fett oder Schmalz triefend und für uns ungenießbar. Wir machten als würden wir frühstücken und nahmen das Essen versteckt in der Hand mit nach draußen, wo ein Hund angebunden war. Lord hieß der und war sehr wild. Peter und ich warfen ihm unser Frühstück jeden Morgen hin und dem schmeckte es. Danach gingen wir zu Juliana frühstücken.

Kapitel 5: Die Feier

Ich gab Juliana und der Mutter von Dana Aritina, Geld sie sollten Fleisch besorgen und was wir noch so brauchten für ein kleines Grillfest. Sie besorgten alles.

Am Abend ging es los Juliana und Aritina bereiteten das Essen vor. Danas Papa, Stefan schnitt das Fleisch und zeigte es mir es war schönes Fleisch. Wir freuten uns schon darauf. Wir hörten wie Stefan in der Küche klopfte, aber wussten nicht was er machte.

Das Holz auf dem Grill brannte schon. So legte er das Fleisch auf. Es roch gut. Die Frauen und Kinder deckten den Tisch im Hof. Zum Fest kamen natürlich Aritina, Stefan, ihre zweite Tochter Bianca und ihr Sohn Florin. Dann kam Juliana mit ihrer Mutter (Jutzi), Tochter Deli und ihr Sohn Doru. Ihr Bruder Hansi kam auch. Wir setzten uns an den Tisch und fingen an zu essen.

Peter und ich freuten uns auf ein schönes saftiges Stück Fleisch! Doch was war das denn? Was wir auf den Teller gelegt bekamen war nur ein Fetzen total durch gebratenes Stück Fleisch, das so dünn geklopft war, dass man wahrscheinlich die Zeitung hätte durch lesen können. Kein Gramm saftiges Fleisch war zu finden. Stefan erzählte stolz, dass diese Zubereitung eine rumänische Spezialität wäre, die Gratar hieße, leider nicht unser Geschmack.

Der Hund der im Hof angebunden war, war so wild und gefährlich, dass sogar Stefan, dem der Hund gehörte, Angst vor ihm hatte. Er wurde auch schon mal von ihm gebissen. Ich freundete mich vom ersten Tag mit ihm an. Ich beschäftigte mich mit ihm. Ganz langsam nährte ich mich ihm bis wir Freunde waren. Stefan verstand die Welt nicht mehr. Sein gefährlicher Wachhund war bei mir ein lammfrommes Schmusehündchen, mit dem ich machen konnte was ich wollte. Ich kraulte ihn und fütterte ihn- Er freute sich immer, wenn ich zu ihm kam, was natürlich von den morgendlichen frühstücken unterstützt wurde. Ich bürstete sein Fell und schmuste mit ihm, was Stefan einfach nicht verstand. Denn wenn Stefan zu nahe kam, knurrte und bellte er ihn und auch alle anderen an. Nur bei mir wedelte er freudig mit dem Schwanz.

Als wir mit dem Essen fertig waren, gab ich dem Hund mein restliches Fleisch (fast alles). Ich ging zu ihm und kraulte ihn und reichte ihm mit meiner Hand das Fleisch. Er leckte es mir aus der Hand, er nahm es ganz fortsichtig aus meiner Hand, damit er mir nur nicht weh tun würde, Stefan und die anderen verstanden die Welt nicht mehr, was sie da sahen. Sie wollten es immer wieder sehen und gaben mir noch Fleisch-stücken. Dann machte ich was, bei dem allen andern der Atem stockte. Ich nahm ein Stück Fleisch zwischen meine Zähne, so dass ein Stück heraus schaute und hielt den Mund hin, er nahm ganz vorsichtig das Stück Fleisch aus meinen Mund heraus.

Kapitel 6: Heimfahrt mit dem Bus, Peter mit meinem Auto

Endlich war es soweit wir hatten die Papiere fertig. Zwei Busse fuhren vor und wir luden die Kinder ein, 70 Kinder und 10 Erwachsene fuhren mit. In meinem Bus waren es 48 Kinder im Alter von 3 bis 14 Jahren. Auch Deli war darunter. Sie sitzt neben mir ganz vorne hinter dem Fahrer.

Die Fahrt dauerte unendlich lange und eigentlich gibt es nicht viel zu berichten, was während der Fahrt geschah. Hier und da gab es mal ein Kind, das weinte und getröstet werden musste.

Endlich in Weiskirchen angekommen, stellten wir fest, dass der zweite Bus stark zurückgefallen war. Auch Peter mit meinem Auto war noch nicht da.

Doch das störte uns im Moment nicht. Die Kinder und Erwachsenen stiegen alle aus dem Bus aus. Jeder suchte sein Gepäck.

Während wir in Rumänien waren, hatte Waltraud mit dem Vergissmeinnicht Gruppe zu Ihrem fünfundzwanzigjährigen Bestehen eine Feier vorbereitet. Ein großes Zelt wurde aufgebaut, in dem viele Sänger und Sängerinnen auftraten

Als die Kinder alle ihr Gepäck zusammen hatten, kam Andrea und fordert die Kinder mit den Worten: „Holt eure Bagasch und geht damit ins Zelt“ auf. In diesem Moment schluckte ich, denn im Saarland ist das Wort Bagasch ein Schimpfwort. Ich sprach Andrea darauf an, was sie damit meinte. Sie lachte laut los und erklärte mir, dass Bagasch das rumänische Wort für Gepäck sei. Danach musste ich auch lachen.

Viele Familien aus dem Saarland waren gekommen, um ihre Ferienkinder abzuholen, was auch bei den meisten problemlos geschah. Bei zwei Kindern hatten die Gasteltern ein Mädchen erwartet. Doch im Rumänischen gibt es Jungennamen, die bei uns wie Mädchennamen klingen. Doch das war auch kein größeres Problem. Sie nahmen die Jungen mit.

Kapitel 7: Das verlorene Kind

Wir bekamen einen Anruf von dem zweiten Bus, dass Sie auf der letzten Raststätte ein Kind verloren hätten. Peter, der mit meinem Auto beim zweiten Bus geblieben war, wurde von den Fahrern des zweiten Busses informiert und fuhr zur letzten Raststätte zurück

An der Raststätte suchte er das verlorene Kind. Er bekam von dem Raststätten -betreiber die Auskunft, dass die Kinder von der Polizei abgeholt wurden. Peter fuhr zur Autobahnpolizei, die die Kinder abgeholt hatten und war ganz verdutzt das es tatsächlich zwei Kinder waren, die auf ihn warteten. Nicht mehr weiter wissend rief Peter bei mir an und fragte mich, ob es möglich sei, dass zwei Kinder auf der Raststätte vergessen wurden. Denn die Kinder verstand keiner, da sie ja nur rumänisch sprachen und Peter sprach auch kein Rumänisch. Bei uns war in zwischen der zweite Bus angekommen und wir versuchten herauszufinden, wie viele und welche der Kinder fehlten und ob das zweite Kind wirklich von uns war, was sich natürlich heraus stellte. Peter erklärte der Polizei, wie das Ganze zustande kam und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten. Die Polizei hatte ein Einsehen und wünschte Peter eine gute Weiterfahrt. Nach einer Weile kam Peter dann auch endlich in Weiskirchen mit den beiden “verlorenen Kinder„ an.

Wir blieben noch ein paar Stunden auf dem Fest, bis wir uns dann entschlossen, nach Hause zu fahren. Der Nachhauseweg dauerte ja immerhin noch fast eine Stunde.

Kapitel 8: Deli bei uns Zuhause

Zuhause zeigte ich Deli Ihr neues Zimmer und ihr Bett, in das sie sich sofort rein legte und schlief. Auch ich war von der langen Fahrt und den Strapazen fix und fertig. Am nächsten Tag fuhren wir zu meiner Schwester Katja. Deli war ganz aufgeregt sie kennenzulernen. Auch meine Schwester freute sich Deli endlich zu sehen. Katja fand Deli unheimlich süß und sie würde sie sofort aufnehmen, doch leider wollte ihr Mann das aber nicht.

Da Katjas Mann auch durch Betteln von Deli sich nicht erweichen ließ, überlegte ich mir wie’s weitergehen sollte.

Ich entschloss mich, dass Deli bei uns bleiben sollte und alles versuchen werde, dass es doch klappen könnte. Schon nach dem ersten Wochenende meldete ich mich beim Jugendamt und ging auch gleich zum Ausländeramt und versuchte dort heraus-zu finden, was ich tun muss, dass Deli bei mir und meinem Vater bleiben durfte. Ich bekam die Auskunft, dass, wenn das Jugendamt nichts dagegen hätte, nichts im Wege stehen würde, eine Daueraufenthaltsgenehmigung zu erteilen. Was sich später aber als falsche Aussage herausstellte.

Das Jugendamt schicke uns eine rumänische Psychologin vorbei, die über Wochen mit mir, meinem Vater und Deli einzeln und zusammen einige Gespräche führte.

Sie nahm des Öfteren Deli mit zum Eis essen. Nach einer Weile erstellte sie einen Bericht darüber, ob wir in der Lage wären, uns um Deli zu kümmern.

Jeder, den ich kannte, meinte „Da habt ihr keine Chance. Ihr habt keine Frau im Haushalt. Du bist nicht verheiratet.“ und viele weitere Argumente bekam ich zu hören. Endlich ich bekam einen Brief vom Jugendamt. Deli darf bei uns bleiben. Daiber habe ich mich ganz toll gefreut.

Ich ging am nächsten Tag mit dem Brief zum Ausländeramt um nun endlich eine Daueraufenthaltsgenehmigung für Deli zu erhalten, so wie ich es vorher gesagt bekommen hatte. Dort bekam ich aber in dem Moment nur die Auskunft, dass es Chef-sache sei, denn der Chef hatte sich die Akte, geholt. Und er würde sich nun selbst darum kümmern.

Da ich ja vorher schon die Auskunft bekommen hatte, wenn das Jugendamt nichts dagegen hätte, würde das Ausländeramt auch nichts dagegen haben. Somit hatte ich gute Hoffnung, dass alles klappen würde. Freitags hatte ich noch ein Gespräch mit dem Chef des Ausländeramtes, bei dem er mich beruhigte es wäre alles in Ordnung und ich bekäme die nächste Woche Post von ihm.

Kapitel 9: Delis Mama kommt zu Besuch

Ich hatte mich entschlossen, die Mutter von Deli zu uns nach Deutschland einzuladen. So organisierte ich das Ganze, dass Delis Mama Juliana mit dem Reisebus zu uns kam. Deli freute sich natürlich darauf, ihre Mama endlich wieder zu sehen. Wir stellten in Delis Zimmer ein Gästebett auf. Da sie von zu Hause aus die deutsche Sprache schon kannte, lernte sie unheimlich schnell mit uns auf Deutsch zu sprechen, so dass es keine Probleme gab. Ursprünglich waren drei Wochen geplant. Es war Anfang Dezember, mein Vater meinte das Jana über Weihnachten bleiben sollte, so ging er auf das Ausländeramt und beantragte eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung, die auch ohne Probleme auf drei Monate erweitert wurde. Deli und Jana freuten sich natürlich, dass Sie mit uns zusammen Weihnachten feiern konnte.

Die Tage vergingen. Am 27. Januar, mein Geburtstag, war ich auf der Arbeit und bekam einen Anruf von meinem Vater. Ich solle sofort nach Hause kommen. Da er sich so aufgeregt anhörte, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Er wollte es mir am Telefon nicht sagen, was los war. So beendete ich meine Arbeit und fuhr so schnell wie möglich nach Hause und machte mir unterwegs natürlich jede Menge Gedanken was denn los sei.

Zuhause angekommen legten sie mir einen Brief der Ausländerbehörde vor.

Kapitel 10: Eine Welt bricht zusammen

Ich las den Text, der mit fetten Buchstaben geschrieben war:

„An Adelina Pintea, Aufenthaltsgenehmigungen nicht erteilt“ und ich las weiter „Sie werden aufgefordert binnen sieben Tage Deutschland zu verlassen“ Mir blieb fast das Herz stehen. Ich musste mich setzten. Ich war fix und fertig. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Noch ein paar Tage zuvor erklärte mir der Chef des Ausländeramtes, es wäre alles in Ordnung.  Nun ´ne Abweisung? Fassungslos, ja wie betäubt, als hätte man mir mit ´nen Hammer vor den Kopf geschlagen, versuchte ich heraus zu finden, was ich falsch gemacht hatte.

Die Versuche, mit dem Ausländeramt zu sprechen, blieben erfolglos und so blieb nichts anderes übrig, mir Hilfe zu holen. Eine Bekannte von uns war Anwältin. Ich erklärte ihr um was es ging und sie versprach alles zu versuchen, um uns zu helfen, dass Deli doch bleiben dürfe.

Sie legte sofort Einspruch gegen die Abschiebung ein und somit hatten wir ein paar Tage gewonnen. Doch nach ein einigen Tagen rief sie an, dass ich vorbei kommen solle!

Ich hatte ja aus Rumänien schon das Ausländeramt angerufen, um zu erfahren, was ich tun kann, damit ich Deli bei mir in Deutschland aufnehmen kann. Dann hatte ich aber Deli schon mit einem Besuchsvisum nach Deutschland gebracht, ohne die dafür notwendigen Schritte abzuwarten und zu gehen. Dies sei Visumbetrug, so begründete das Ausländeramt die Ablehnung.

Es gab keine Möglichkeit, dass die Aufenthaltsgenehmigung doch erteilt würde. Es gebe nur die Möglichkeit es so lange wie möglich raus zu zögern, das Deli Deutschland verlassen müsse. Von meiner Anwältin erfuhr ich, dass wenn ich Delis Mama, die im Moment bei uns war, heiraten würde, ich nach dem Gesetz der Familienzusammenführung Deli in Deutschland behalten könne.

Da ich unbedingt Deli bei mir behalten wollte, überlegte ich nicht lange. Da ich ja noch Junggeselle war, fragte ich Jana, ob sie mich heiraten würde. Jana war natürlich erstaunt über diese Frage, wusste aber, dass dies der einzige Weg war, damit Deli in Deutschland bleiben dürfte. Sie saß ihrem Zimmer und überlegte, was sie machten sollte, als Deli ins Zimmer kam und fragte: „Mama, was machst Du hier?“ antwortete Jana: „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Soll ich Christian nun heiraten oder nicht?“ Darauf Deli: „Ja Mama, Christian ist der allerliebste Papa der Welt. Du musst ihn unbedingt heiraten!“

Am nächsten Tag teile mir Jana mit, dass Sie einverstanden wäre, aber das ist ein Problem gebe. In Rumänien sei sie noch verheiratet. Zwar lebe sie schon seit neun Jahren nicht mehr mit ihrem Mann zusammen, aber eine Scheidung hatten Sie aus finanziellen Gründen nicht machen können. Wir entschlossen uns Jana Geld zu geben und nach Rumänien zurückzuschicken, um sich scheiden zu lassen.

Nach diesem Entschluss bekam ich die Mitteilung, dass die Abschiebung von Deli, vor Gericht kommen würde. So bekam ich eine Vorladung vor das Gericht in dieser Verhandlungen wurde darüber verhandelt, ob das Ausländeramt Deli bis Ende August 1996 eine Duldung aussprechen solle, so dass wir genug Zeit zum Heiraten hätten

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Kapitel 11: Jana fährt zurück sich scheiden zu lassen

Nach diesem Beschluss schicke ich Jana zurück nach Rumänien, um sich scheiden zu lassen. Schon nach 3 Monaten meldete sie sich, dass sie nun geschieden wäre. So entschloss ich mich mit Peter nach Rumänien zu fahren und Jana abzuholen, was wir dann auch kurzentschlossen machten. Zu diesem Zeitpunkt war Jana für mich die Mutter des Kindes, das ich bei mir behalten wolle. Es bestand noch keine Beziehung zueinander.

Da Peter und ich Zeit hatten, blieben wir Ihre eine Weile in Rumänien und fingen an ein Badezimmer und Toilette an das Haus anzubauen. In den Tagen, in denen wir in Rumänien waren, wurde ich krank. Ich bekam sehr hohes Fieber. Jana pflegte mich und machte sich große Sorgen um meine Gesundheit. In diesen vier Wochen kamen wir uns, wahrscheinlich auch durch die Krankheit bedingt, so nahe, dass wir uns verliebten. So dass aus der geplanten Zweckehe eine Liebesehe wurde.

Kapitel 12: Unsere Hochzeit Odyssee

Nachdem wir wieder zuhause waren, wollten wir nun endlich heiraten. Das aber, so stellte sich heraus, dass es doch nicht so einfach sein sollte! Auf dem Amt sagte man uns, dass noch weitere Papiere vorliegen müssten. So blieb uns nichts anderes übrig als nochmal nach Rumänien zu fahren. Diese Unterlagen mussten wir dann noch beglaubigt ins Deutsche übersetzen lassen. Endlich hatten wir alles zusammen.

So sind wir dann nochmal aufs Standesamt, um das Aufgebot zu bestellen, im Glauben, dass es nun problemlos über die Bühne gehen sollte. Doch dort wurden wir eines besseren belehrt.

Nachdem wir die Unterlagen in Deutschland beim Standesamt abgegeben hatten, bekamen wir die Info, dass es jetzt noch ca. 8 bis 10 Monate dauern würde, bis die ganzen Unterlagen geprüft seien. Dafür würden die Papiere nach Rumänien zur deutschen Botschaft geschickt werden.

Ich drehte fast durch. Normalerweise bin ich ein ruhiger Gemütsmensch, doch an diesem Tag rastete ich aus. Ich beschimpfte den Standesbeamten, dass er uns das nicht hätte früher sagen können. Denn dann hätten wir uns einige Herumfahrerei sparen können. Ganz lapidar, meinte dieser: „Warum haben sie den keine Zeit?“ Nachdem ich ihm erklärte, dass meine Tochter dann das Land verlassen müsse, aus der gewohnten Umgebung herausgerissen werde und auch die Schule mitten im Jahre verlassen müsste, meinte dieser …. dass ihm das egal sei und er keine andere Möglichkeit sehen würde.

Wutentbrannt riss ich ihn unseren Unterlagen aus der Hand und ging raus. Draußen musste ich erst mal tief Luft holen und mir überlegen, wie es weitergehen soll.

Uns lief die Zeit davon. Ich wollte mit aller Gewalt verhindern, dass Deli zurück nach Rumänien musste. Ich glaube heute noch, dass die Psyche von Deli darunter stark gelitten hatte.

Nun haben wir uns entschlossen nach Rumänien zu fahren, um dort zu heiraten.

Es stellte sich heraus, dass das auch nicht so einfach war, denn die Rumänen verlangen von den Ehepartnern, eine medizinische Untersuchung, dass keine Erbkrankheiten oder sonstige Geschlechtskrankheiten vorliegen. So sind wir in das nächste Krankenhaus, um diese Untersuchung machen zu lassen.

Zuerst schien es ganz einfach, Jana bezahlte für uns beide umgerechnet ca. 5DM. Während der Untersuchung, bekamen wir mitgeteilt, dass es ein Problem gebe. Da ich ja kein Rumäne sei, würde bei mir die Untersuchung 700 Dollar kosten.

Stinksauer brach ich die Untersuchung ab, denn das war für mich nicht nachvollziehbar. Leider führte da aber kein Weg vorbei, denn ohne die Untersuchung keine Heirat.

Da in Rumänien das Deutsche Papier „ein Hunderter“ immer noch alle Probleme lösen konnte, fand ich einen Arzt, der mir die nötige Bescheinigung ohne irgendwelche Untersuchungen zu machen, ausstellte. Wofür ich dankbar war, da ich vor Infektionen Angst hatte. Das ganze kostete mich vier von meinen Deutschen Papieren.

Danach ging es ganz schnell. Wir gaben die Papiere auf dem Bürgermeisteramt ab und drei Tage später, waren wir verheiratet. Mit der Heiratsurkunde fuhren wir zur deutschen Botschaft und ließen uns für Jana und Deli eine Einreisegenehmigung erteilen. Am Nächten Tag ging es nun nach Hause.

Kapitel 13: Endlich geschafft

Zuhause angekommen, ging ich auf das Ausländeramt und beantragte die Aufenthaltsgenehmigung für Deli und Jana, die wir auch problemlos für vier Jahre bekamen. Mit Stolz geschwollener Brust gingen wir zufrieden nach Hause.

Doch das Ausländeramt zusammen mit dem Jugendamt wollte uns wahrscheinlich eine Scheinehe nachweisen. Denn es meldete sich das Ausländeramt und das Jugendamt ständig um irgendwelche, belanglose Fragen zu stellen, meistens wollten sie Jana sprechen. Da aber Jana fast immer selbst ans Telefon ging, blieben die Anrufe nach einer Weile aus.

Und wir konnten unser Leben leben.

Heute, den 1.03.2019, sind nun 23 Jahre vergangen und wir sind immer noch eine glückliche Familie. Unsere Tochter Deli ist verheiratet, hat uns beide schon zum dritten Mal zu Oma und Opa gemacht. Darüber sind wir sehr glücklich und stolz.

Jana und ich haben uns 2004 einen kleinen Bauernhof auf dem Land gekauft und leben dort glücklich und zufrieden miteinander. Aber das ist eine andere Geschichte.

Christiane Rester

Anmerkung der Autorin:

Ich habe diesen Text selbst geschrieben, und bitte die, die ein Interesse daran haben sollten, auch auszugsweise, mich bitte um Erlaubnis zu fragen.

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